"Das wäre doch was für.."

Donnerstag, 6. April 2017


In letzter Zeit erwische ich mich selbst immer häufiger dabei, im Internet, in Prospekten oder in der Stadt irgendwelche Dinge zu entdecken, die ich gerne für Noah kaufen würde.
Für den Bruchteil einer Sekunde vergesse ich dann, dass mein Kind weder Mützen, noch Pullover oder coole Sneaker je anziehen wird und auch Schnullerketten völlig überflüssig sind.
In diesen Momenten bin ich ganz instinktiv einfach Mutter.

Ich habe sehr oft darüber nachgedacht, ob es der richtige Weg wäre, personalisierte Schnullerketten oder Stofftiere trotzdem zu kaufen, nur um meinem Kind etwas anderes als Grabkerzen und Tränen zu schenken. Anfangs war das in meinen Augen einfach verrückt. Ich habe mich schon in einem Haufen Babykleidung liegen und verzweifeln sehen. Fanatisch in die Trauer um mein Kind und komplett unfähig, loszulassen und abzuschließen.
Ich muss dazu sagen, "loslassen" und "abschließen" gestalten sich sowieso extrem schwierig, wenn man sein eigenes Kind verloren hat, egal wie alt es war. Ich hatte einfach nur riesige Angst, irgendwann verrückt zu werden.

Mit der Zeit ist der Drang danach, meinem Kind zur Abwechslung mal etwas schönes, positives zu kaufen, immer größer und unerträglicher geworden. Man hat mir nicht die Chance gegeben, Erinnerungen und Andenken an mein Kind zu sammeln.
Kann es denn verwerflich sein, sich selbst etwas greifbares zu schaffen um besser damit umgehen zu können?
Ich habe also beschlossen, dem Drang nachzugeben. Habe für Noah Socken mit kleinen Fröschen gekauft und siehe da: Ich bin nicht verrückt geworden, habe mich in keinem Wahn verloren, sondern Trost darin gefunden.
Auch wenn Noah diese Socken niemals anziehen wird, ist der Gedanke an das "Was wäre wenn.." immer wieder schön, wenn ich diese Socken in meinen Händen halte. 
Ich weiß, sie hätten ihm gefallen.

Was ich damit sagen will; viele Menschen haben dafür gesprochen, einfach Dinge zu kaufen, die mich an ihn erinnern, viele Menschen haben dagegen gesprochen. Fakt ist einfach, dass der Verlust eines Kindes etwas so schreckliches und emotionales ist, dass nur man selbst wissen kann, was einem bei der Trauerverarbeitung persönlich hilft.
Viele Sternenmamas sind kreativ, viele Sternenmamas trainieren. Viele Sternenmamas leben den Alltag so gut es geht. Viele schaffen etwas greifbares, viele möchten mit dem Thema nicht konfrontiert werden.

Wie man letztendlich trauert ist jedem Menschen selbst überlassen.
Ich habe meinen Trost darin gefunden, mich nicht auf seinen Todestag zu versteifen und ihm nicht nur Grabkerzen zu schenken. Ich möchte den (errechneten) Geburtstag meines Kindes feiern, ihm Froschsocken schenken und wenn es sein muss auch zwei Schnullerketten mit seinem Namen.
Ich möchte Erinnerungen schaffen, wo ich niemals welche sammeln durfte.
Und es geht mir gut damit.

Wir erinnern nicht das, was war,
sondern wie wir das, was war,
sehen wollen.
- Georg Wilhelm Exler.

Mein Leben mit ohne Noah - nicht in seinen Socken und trotzdem immer bei mir. ♥

Kommentare:

  1. Achje Liebes... Ich verstehe dich besser als mir lieb ist.
    Geteiltes Leid ist halbes Leid?
    Kuss & Gruß von Liz

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    1. Schade, dass so viele dieses Leid mit uns teilen müssen. Aber Kraft gibt es auf jeden Fall. Wir sind nicht alleine. Vielen lieben Dank ♥

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  2. erst einmal vorneweg muss ich dir sagen, wie unfassbar süß diese socken sind!
    wie du schon sagst, nur man selbst kann wissen, was einem am besten hilft und genau diese ansicht teile ich. es freut mich zu hören, dass du darin trost gefunden hast noah dinge zu kaufen. du wirst nicht verrückt. ich finde es absolut nachvollziehbar, dass du etwas greifbares haben möchtest. in den letzten monaten ist mir sehr stark die veränderung deiner trauerverarbeitung aufgefallen und ich kann dir nicht oft genug sagen, wie stolz ich auf dich bin. du hast diese lange zeit des schweigens durchgestanden und irgendwann den punkt erreicht, an dem du bereit warst die gedanken an noah in etwas positives zu wandeln und das finde ich wahnsinnig stark von dir! ich halte es auch für sehr mutig, dass du sachen gekauft hast, die dich an ihn erinnern, obwohl du dir nicht sicher warst, ob es dir hilft oder dich verrückt macht. du hast herausgefunden, dass es dir hilft und bist nun wieder einen schritt weiter in der trauerverarbeitung. probieren geht über studieren. je mehr zeit vergeht, desto besser kannst du mit der sache umgehen und diese veränderung finde ich unglaublich schön zu beobachten. das hätte noah sich von dir gewünscht!

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    1. Dankeschön, deine Worte berühren mich mehr als alles andere. Vor allem nach diesem großen Dämpfer, den ich bekommen habe. Ich gebe mein bestes, positiv an ihn zu denken und nicht in der Trauer zu ertrinken. Und ich muss ganz ehrlich sagen, seit ich darüber rede und bei Instagram und hier darüber schreibe, geht es mir so so so viel besser und die wirklich schlimmen Tage werden immer seltener.
      Noah wäre so froh und stolz darauf, zu wissen, dass ich jemanden habe, der so sehr an meiner Seite steht wie du! ♥

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  3. Oh Gott, dieser Beitrag hat mich wirklich berührt.
    Ich kann deinen Schmerz nicht nachvollziehen weil ich noch nie in dieser Situation war. Aber ich finde es gut wie offen du damit umgehst, du kannst damit sicher auch eine Stütze für andere sein, mit dem gleichen Schicksalsschlag.
    Mach weiter so! Fühle dich gedrückt

    Liebe Grüße Anni von
    http://hydrogenperoxid.net

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    1. Vielen lieben Dank für deine aufmunternden Worte!
      Durch das Schreiben geht es mir mittlerweile wirklich besser damit. Bei Instagram habe ich entdeckt, dass ich tatsächlich nicht alleine bin und ich hoffe, dass mein Blog das anderen auch vermittelt.
      Liebe Grüße! ♥

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  4. Es tut mir so leid für euch.
    Ihr seid bestimmt ganz wunderbare Eltern.
    Liebste Grüße und ganz viel Kraft.
    Carmen

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    1. Ganz lieben Dank und viele Grüße an dich ♥

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