Liebe Nicht-Sternenmami,

Dienstag, 18. April 2017

Quelle: schoengeistig.tumblr.com


Viele Außenstehende fragen mich oft, welche Situationen, Eindrücke oder Themen mich bezüglich Noah am meisten verletzen. Nicht, um damit den Schmerz wieder auszulösen, sondern um genau diesen umgehen zu können. Ebenso melden sich viele Mamas bei mir, die sich manchmal schlecht fühlen, weil sie offen ihr "perfektes" Familienleben zeigen, während mein Sohn im Himmel ist.
Viele möchten damit nur mein Bestes und schränken sich damit selbst ein.
Die Antwort auf diese Frage ist letztendlich aber: Es gibt keine Antwort.

Ich finde es schwierig, zu sagen, dass mich der Anblick von schwangeren Frauen oder das Thema Familienplanung an sich herunterziehen würden, denn das stimmt nicht.
Ich gönne jedem seinen Nachwuchs und bin glücklich über jede Frau, die mein Schicksal nicht teilen muss und ein gesundes und munteres Kind zur Welt bringen darf. Was wäre ich für ein Mensch, wenn ich grundsätzlich niemandem sein Glück gönnen würde, nur weil mir schlechtes widerfahren ist?

Natürlich habe ich oft Phasen, in denen mich Babybäuche gedanklich wie Kanonen zurück zu dem Tag katapultieren, an dem ich mein Kind verloren habe. Natürlich gibt es Momente oder auch ganze Tage, an denen ich es nicht ertrage, Geschichten zur Familienplanung anderer anzuhören oder sogar mitreden zu müssen. Oft habe ich in solchen Momenten regelrechte Flashbacks, in denen ich mich wieder mit Wehen auf dem Badezimmerboden knien sehe und quasi mit ansehen kann, wie der Boden sich rot färbt.

Es gibt kein einfaches und klar formuliertes "Das und das verletzt mich und ich möchte dem so gut es geht aus dem Weg gehen". Es gibt keine Liste, von Dingen, die einen immer verletzen. 
Bei mir zumindest nicht.

Heute kann ich aufrichtig froh über deine Schwangerschaft sein und stundenlang mit dir über Babyschuhe reden, morgen kann das wieder ganz anders aussehen.
Wenn es gestern eine nette Geste war, über Noah zu reden, kann es mich morgen wieder zum Weinen bringen. Und was mich gestern zum Weinen gebracht hat, muss nicht heißen, dass wir nie wieder darüber reden können.
Manchmal weine ich, wenn ich deine Kinder sehe, weil ich mir vorstelle, wie Noah jetzt aussehen würde. Manchmal freue ich mich von ganzem Herzen, dass du eine glückliche Mama mit wundervollen Kindern bist. 

Bitte vergiss nicht, dass ich mich aufrichtig und ehrlich für dich freue, auch wenn es Phasen gibt, in denen ich es unfair finde, dass jeder Mensch ausser mir glücklich zu sein scheint. Ich bin dann nicht sauer auf dich, deinen Partner oder dein Kind. Ihr alle tragt keine Schuld daran. Ihr alle habt es verdient, jeden Tag eine glückliche Familie zu sein.
An finsteren Tagen, an denen alles unfair scheint bin ich einzig und allein sauer auf die Tatsache, dass mein Kind nicht bei mir sein kann.
Ich weiß nicht, wer genau mir mein Kind aus welchem Grund genommen hat. Ob es eine höhere Macht war, Gott, das Schicksal oder ob es letztendlich an mir lag, dass er gehen musste. 
Ihr habt mir mein Kind nicht genommen.

Deshalb sei unbesorgt, wenn ich mal traurig bin, du bist nicht schuld und du kannst es nicht ändern.
Die Phasen kommen und gehen, es liegt nicht an dir.
Manchmal bin ich schwierig und ich versuche, das zu ändern.
Ich danke dir aber an jedem Tag, dass du mich so nimmst wie ich bin und stets dein Bestes gibst.


Wir streben mehr danach,
Schmerz zu vermeiden,
als Freude zu gewinnen.
- Sigmund Freud. 

Mein Leben mit ohne Noah - nicht auf unseren Fotos und trotzdem immer bei mir.  


Kommentare:

  1. Hey,
    ich habe deinen Blog nun das erste Mal überhaupt gesehen und bin gerade richtig gerührt...
    Mein Tag war blöd und wo ich deine Worte gelesen habe fühle ich mich schlecht wegen so unnötigen Dingen meines Alltags runter gezogen geworden zu sein. Was du durchleben musstest das ist ... gibt es überhaupt Worte dafür? :( Dein Umgang damit ist aber umso wertvoller. Schreiben kann sehr therapeutisch sein und gut für die Seele. Hör also nicht auf damit!
    Und ich hoffe, dass du viele Mamis erreichst, die auch ein Kind verloren haben.

    Ich sende dir ganz viel Liebe und Kraft! (und auch noch ein kleines Lächeln, was ich hier übrig habe! :P)
    Viele, viele Grüße von der Däsch!

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    1. Vielen lieben Dank für deine schönen Worte und dein Lächeln! ♥
      Niemand muss sich für irgendwas schlecht fühlen. Wenn es einem schlecht geht, dann geht es einem nun mal schlecht, ganz unabhängig davon, was andere Menschen durchmachen. Ich verstehe deine Gedanken sehr gut, trotzdem ist es gut und wichtig, dass man sich selbst der wichtigste Mensch auf der Welt ist und dass man traurig sein darf, wenn man einfach traurig ist. Und selbst wenn man wegen einem gebrochenen Fingernagel traurig ist, dann ist das ganz okay. Das heißt ja nicht, dass du damit andere Leute verhöhnst oder nicht ernst nimmst in ihrer Trauer. Jeder hat seine eigene "Belastungsgrenze" und es ist okay, wenn man auch mal wegen "Kleinscheiss" traurig ist, das bin ich soo oft. :D
      Fühl dich gedrückt!

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  2. Das tut mir sehr Leid, dass du dein Kind verloren hast. Ich kann mir nicht vorstellen, wie schwer das sein kann...
    Die Frage finde ich echt blöd muss ich sagen. Warum fragt man solche doofen Sachen. "Das muss doch jetzt echt weh tun, die glückliche Mutter da auf dem Spielplatz zu sehen, oder?" Hat doch irgendwie was sadistisches. Aber vielleicht bin ich da auch nur empfindlich. Ich find es super, dass du damit so offen umgehen kannst und so klar differenzieren kannst, dass das Leben anderer mit deinem nichts zu tun hat und das eine das andere auch nicht ausschließt...

    GLG
    Biene
    http://lettersandbeads.de

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    1. Vielen Dank für deine lieben Worte!
      Ja, ich finde es kommt immer darauf an.. Wenn man mich fragt "Ist das und das okay für dich..?" dann ist es noch was anderes als wenn man direkt fragt "Und, welche Situationen tun dir so am meisten weh?" Gottseidank kristallisiert sich meist ganz schnell heraus, ob jemand vermeiden will, mir weh zu tun, oder noch ein bisschen reintreten mag.
      Viele liebe Grüße!

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  3. ein sehr sehr schöner post, der nur mal wieder deutlich zeigt, was für ein wundervoller mensch du bist!

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